Heiligsprechung im “Schnellverfahren”

Rom – Josemaría Escrivá, der Gründer der umstrittenen Glaubensgemeinschaft Opus Dei, wird heilig gesprochen. Dass dies bereits 27 Jahre nach seinem Tod geschieht, lässt den mächtigen Einfluss des 85.000 Mitglieder zählenden Laienordens auf die Führung der Katholischen Kirche erkennen.

Nach Rom kommen sie mit neun Schiffen, 2100 Bussen und 620 Sonderflügen. Sie kommen aus Aserbaidschan und Peru, Honduras und Mosambik. Bankdirektoren aus der Schweiz, Indios aus dem Hochland von Guatemala, Wissenschafter aus Kanada.

Eine Viertelmillion Menschen werden am Sonntag auf dem Petersplatz zur Heiligsprechung von Josemaría Escrivá erwartet. Sie sind keine gewöhnlichen Gläubigen. Sie sind das Fußvolk der weltweit mächtigsten Organisation der katholischen Kirche: des Opus Dei.

Und Josemaría Escrivá de Balaguer ist kein gewöhnlicher Heiliger. Deutlich wird das aus der Tatsache, dass der Gründer des Opus Dei bereits 27 Jahre nach seinem Tod heilig gesprochen wird - für vatikanische Verhältnisse ist das ein Schnellverfahren.

Eifriger Selbstgeißler

Die Lebensgeschichte Escrivás ist mit der Entstehung und der Ausbreitung des Opus Dei nahezu deckungsgleich. Der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Priester, der im Seminar wegen seiner ausgeprägten Leidenschaft für Selbstgeißelungen aufgefallen war, gründete 1928 nach einer Erleuchtung das Santa Crux et Opus Dei - das “Werk Gottes”.

Der wie ein Geheimbund organisierte Laienorden wuchs erst unter dem faschistischen Diktator Francisco Franco zu einer einflussreichen Organisation heran, die zeitweise mit zehn Ministern in der Regierung in Madrid vertreten war. Gebot ihrer Mitglieder ist es, “Gott in der Arbeit und im täglichen Leben zu suchen”.

Sie müssen sich einem strengen Verhaltenskodex unterwerfen, der von absolutem Gehorsam über häufiges Gebet bis zur Selbstkasteiung reicht. Richtschnur ihres Han- delns ist Escrivás Buch “Der Weg”. Von seinen Anhängern als “Hort christlichen Lebens” gepriesen, von seinen Gegnern als “Mafia Gottes” verteufelt, ist das Opus Dei eine schlagkräftige Organisation mit Niederlassungen in 95 Ländern und 85.000 Mitgliedern. Zu den Zielen des geheimnisumwobenen Laienordens gehörte immer schon die Unterwanderung von Führungskreisen in Politik und Wirtschaft. Die fundamentalistische Glaubensgemeinschaft verfügt über Verlage, TV- und Radiosender, führt die Universität von Navarra in Pamplona und betreibt Missions- und Sozialprojekte in vielen Ländern.

Scharf gegen Kritiker

Ihre Mitglieder sitzen in den Vorstandsetagen von Banken, Konzernen und Universitäten. Über Stiftungen, (zum Beispiel die Limmat-Stiftung in Zürich und die Rhein-Donau-Stiftung in München) wickelt der Orden seine umfassenden und häufig undurchsichtigen Finanzgeschäfte ab.

Berüchtigt sind die Versuche des Opus Dei, Kritiker und Aussteiger mundtot zu machen. 1985 ließ der resolute Orden in Deutschland einen kritischen Rowohlt-Band kurzerhand verbieten und den Buchhandel abmahnen, das Taschenbuch nicht zu verbreiten. Opus-Dei-Mitglieder waren am Sturz der Regierung Allende beteiligt und verhalfen 1966 dem argentinischen Diktator Juan Carlos Ongania zur Macht.

Wohlwollen von Franco

Escrivá, der während des spanischen Bürgerkriegs untertauchte, war stets rechtskonservativem Gedankengut verpflichtet. In Hitler soll er den Retter der spanischen Kirche gesehen haben, heißt es. In Franco hatte er einen wohlwollenden Förderer. Die Mitglieder seines Ordens sah er gerne als “Soldaten im Kampf gegen Glaubensverfall, Marxismus und Atheismus”.

Unter Papst Johannes Paul II., der Escrivá bereits 1992 selig sprach, baute das Opus Dei seinen Einfluss im Vatikan systematisch aus. Der Bogen seiner Förderer reicht von Staatssekretär Kardinal Angelo Sodano über Joseph Ratzinger bis zum spanischen Vatikan-Sprecher Joaquín Navarro Valls. Das Ziel ist vorgegeben: ein Mann des Opus Dei auf dem Heiligen Stuhl.

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